Elif OskanTürkische Avantgarde

Elif Oskan
Gül
Zürich, Schweiz

Zürich, 4. Bezirk. Eine Ausgehmeile. Das Publikum ist jung. Die grellen Damen, die hier einst das Straßenbild beherrschten, müssen sich eine neue Bleibe suchen. Das Viertel ist angesagt, wird seriöser und somit teurer. In einem Hinterhof gibt es ein Restaurant zu entdecken, dass vor Herzlichkeit kaum zu überbieten ist. Das Gül, was Rose bedeutet, und Güle Güle heißt soviel wie Tschüss, auf Wiedersehen. Jeder Gast wird von der gesamten Mannschaft so verabschiedet und mit Merhaba (Hallo, Guten Tag) begrüßt.
Chefin im Gül ist Elif Oskan, die mit einem kleinen vorwiegend weiblichen Team das quirlige Restaurant beherrscht. Auch ihre Eltern sind fast immer präsent. Elif ist in Zürich aufgewachsen, die Liebe zum Essen und Kochen weckt ihre Mutter und so wird Elif Köchin. Nach Ihrer Ausbildung geht sie zu Markus G. Lindner ins Mesa und schließlich ins Fat Duck von Heston Blumenthal. Dort lernt sie den Bayern Markus Stöckle kennen und lieben. Das ist in Blumenthals Brigade nicht erwünscht, und so geht sie zurück nach Zürich, macht sich selbständig und verzaubert die Stadt als Miss Marshall mit Stickstoffeis und Desserts.
Im Jahr 2016 kommt Stöckle ebenfalls nach Zürich und gemeinsam betreiben sie verschiedene Pop-up-Restaurants. Dann wird zunächst das Bayerische Restaurant Rosi eröffnet, das Stöckle heute leitet. Es folgt das Gül, in dem Elif wirkt, zumeist am Holzbackofen. Was die junge Köchin serviert, hat klare Wurzeln in der türkischen Küche, ist jedoch in die Avantgarde aufgestiegen. Dabei bleibt Elifs Küche unprätentiös, schlicht und verständlich. Fast jeder kennt türkische Küche, aber so eine ist neu und bemerkenswert gut.
www.guel.ch